Kurmainzische Wappen an den Bastionen der Zitadelle Petersberg in Erfurt.

 
Vortrag zu einem Vereinsabend der „Freunde der Citadelle Petersberg zu Erfurt e.V.“

Holger Werner 2018 

 

In der Literatur von 1929 „Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen“ fand ich in der Baubeschreibung zur Zitadelle Petersberg Hinweise zur Lage der Wappen zu dieser Zeit 1929. An der Reihenfolge in diesem Buch orientiere ich mich. Ich habe zur Erläuterung eine Skizze aus dem Buch verwendet Link.
Die heutigen Standorte der mainzischen Wappen sind in der Skizze mit einem Pfeil gekennzeichnet. Zusätzlich sind Pfeile an der Bastion Gabriel zu sehen, diese Markieren u.a. ein Bauwerk (vorgesetzte Mauerschale) von 1643 mit Inschrift "Die Martini Anno 1643" aus schwedischer Besetzungszeit. Dahinter in zwei Meter Entfernung ist ein Erfurter/Mainzer Rad zu sehen. Eine Besonderheit an dieser Stelle ist die noch erhaltene und restaurierte Stadtmauer (Zwingermauer) von 1460 datiert. Dieser Stadtmauerrest ist auf der Buswendeschleife zu sehen und steht in Beziehung zum Hohen Glockenturm der dahinter zu sehen ist. Hier ein Foto zur Erläuterung Link.
Ein weiterer Pfeil zeigt zum Anselm Tor mit Festungsadler von 1829 (Preußen Festungsadler).
Damit erschließen sich an einem Mauerabschnitt folgende Bauetappen:
1. Zwingermauerrest (nur oben zu sehen):
um 1460 der restaurierte, etwas gebogene Stadtmauerabschnitt ist Teil der Zwingermauer um die Sadt Erfurt und wurde später in die bastionierte Stadtmauer mit eingebaut
2. bastionierte Stadtmauer:
das hier zu sehende Rad Symbol, mit Baunaht und Eckquaderung zeigt an das hier eine bastionierte Stadtmauer errichtet wurde.
Diese Bauwerk entstand nach 1620.
3. vorgesetzte Mauerschale:
1643 die Inschrift zeigt an, das die bastionierte Stadtmauer eine Verstärkung bekommen hat (die Martini-Bastion aus schwedischer Zeit) Link zur Stadtansicht von 1650 die Nr. 4.
4. Bastion Gabriel
um 1678 wird die sog. Martini Bastion in die mainzische Bastion Gabriel integriert
5. Kurtine zwischen Gabriel und Michael:
1829 das preuß. Pionierkorps baut eine Fahrpoterne ein

Die jeweiligen regierenden Kurfürsten sind farblich den Bastionen zugeordnet.

Wie auf der Skizze zu sehen ist, gibt es acht Bastionen, in der ersten Bauphase ist das spätere Ravelin Anselm eine Bastion gewesen, so gab es neun Bastionen mit Wappen.
Link zum Grundriss von 1680. Jede Bastion hat das Wappen ursprünglich in der Mitte der Bastionsmauer, das sind 18 Wappen plus das Prunkwappen am Festungstor. Heute sind 16 Wappen an den Festungsmauern verbaut, aber teilweise nicht am Originalplatz, da drei Bastionsmauern abgetragen wurden. Nach den vorhanden Wappen sind es fünf Kurfürsten, die als Bauherren auftraten.
Die Bastionswappen der fünf Kurfürsten sind erhalten und werden als Originale in der Ausstellung in der Offizierswache im Eingangsbereich Peterstor gezeigt. Die Namen der Bastionen beziehen sich auf einen Kurfürsten oder Heiligen der katholischen Kirche.
Die Kurfürstenwappen sind u.a. mit den Familienwappen der Kurfürsten im Herzschild sowie deren Ämterwappen und den Machtsymbolen des Wappenträgers versehen. Zu diesen Machtsymbolen gehören Kurhut und Kurschwert als Zeichen der weltlichen und der Krummstab als Zeichen der kirchlichen Macht. Das Wort „Kur“ bedeutet „küren“ also „Wahl“. Ein weiteres oft vorkommendes Wort ist z.B. „Erzbischof“ was oberster Bischof bedeutet.

Anhand der Jahreszahlen auf fünf Wappentafeln steht fest das die Bastionsmauer zuerst zur Stadtseite errichtet wurden. Ein Grund war das die Feldseiten Richtung Westen und Norden schon vor 1665 durch die Stadtmauer und modernere Befestigungswerke gesichert waren. Auf Plänen (Link Plan Merian 1650) ist ersichtlich das Vorläufer der Bastion Gabriel mit Kurtine und die Bastion Michael den gleichen Grundriss hatten wie die mainzischen Bastionen heute, fraglich ist nur der Ausbauzustand damals. Anhand der Inschrift von 1643 an dem Eckstein nach Norden an der Bastion Gabriel lässt sich auch heute nachvollziehen das es eine gut bastionierte Feldseite vor 1665 gegeben hat. Hier steht eine ähnlich massive Bastionsmauer die aus schwedischer Zeit (1631-1650) stammt.

Folgende neun Bastionen mit Wappentafel und Erläuterungen. Die Bilder sind exemplarisch, an den jeweiligen Bastionsmauern sind die Wappentafeln frei vom Steinmetz gestaltet, siehe rechte Seite,
Wappen von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679-1695
mit einmaligen floralem Zier.

1. Bastion Kilian LINK
-Richtung Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673
-Richtung Süden
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

2. Bastion Martin LINK
-Richtung Süd-Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673
-Richtung Süd-Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

3. Bastion Gabriel Link 
-Richtung Süden (1874 geschleift)
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Damian Hartard von der Leyen reg. 1675 – 1678
-Richtung Westen (1874 geschleift) Link
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

4. Bastion Anselm Link
-Richtung Süden
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

 

5. Bastion Michael Link
-Richtung Süd-Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Norden (1908 geschleift)
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich an der Kurtinenmauer gegenüber Ravelin Lothar
(2017 neu angebracht)
Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

6. Bastion Johann Link 
-Richtung Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid reg. 1673 – 1675
-Richtung Nord-Osten Link
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

7. Bastion Franz Link
-Richtung Norden
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

8. Bastion Philipp Link 
-Richtung Nord-Osten
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Lothar Franz von Schönborn 1695 – 1729
-Richtung Süd-Osten Link
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

9. Bastion Leonhard Link
-Richtung Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673
-Richtung Süden
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673


Das Prunkwappen am Peterstor zeigt das Wappen von
Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

Im Internet gibt es eine erklärende Webseite zu einigen Bastionswappen an der Festung. Der Autor
Bernhart Peter beschreibt hier nicht alle Bastionen, hier der Link 06.01.2018:
http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie2360.htm


Folgende neun Bastionen mit Wappentafel.

1. Bastion Kilian
-Richtung Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673
-Richtung Süden
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

2. Bastion Martin
-Richtung Süd-Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673
-Richtung Süd-Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673

3. Bastion Gabriel
-Richtung Süden (1874 geschleift)
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Damian Hartard von der Leyen reg. 1675 – 1678
-Richtung Westen (1874 geschleift)
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

4. Bastion Anselm
-Richtung Süden
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

5. Bastion Michael
-Richtung Süd-Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Norden (1908 geschleift)
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich an der Kurtinenmauer gegenüber Ravelin Lothar
(2017 neu angebracht)
Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

6. Bastion Johann
-Richtung Westen
mit Wappentafel von Kurfürst Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid reg. 1673 – 1675
-Richtung Nord-Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

7. Bastion Franz
-Richtung Norden
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695
-Richtung Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim reg. 1679 – 1695

8. Bastion Philipp
-Richtung Nord-Osten
ohne Wappentafel, die Tafel befindet sich in der Ausstellung Wache im Peterstor.
Kurfürst Lothar Franz von Schönborn 1695 – 1729
-Richtung Süd-Osten
mit Wappentafel von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn reg. 1647-1673